Wegen der vielen Berge soll die Schweiz viel weniger strenge Effizienzziele für neue Autos bekommen als die EU. Aber: 87% der schweren Allrad-Fahrzeuge fahren im Flachland. Morgen Abend entscheidet der Nationalrat über die neuen Vorschriften.
Bis 2015 dürfen die Neuwagen in der EU im Durchschnitt noch maximal 130 Gramm CO2/km ausstossen. Die Schweizer kaufen die selben Autos, trotzdem will die Umweltkommission des Nationalrats für die Schweiz ein eigenes Emissionsziel von 150 g CO2/km. Das wichtigste Argument für den höheren Wert: In der Schweiz gibt es viele Berge, und darum brauche es hierzulande stärkere Autos.
Neue Berechnungen von Ernst Basler + Partner AG im Auftrag des WWF Schweiz zeigen jetzt aber: 87% der schweren Allradfahrzeuge über 2 Tonnen sind im Flachland unterwegs (Gemeinden unter 700 Höhenmeter). In der schwersten Kategorie (über 2,5 Tonnen) sind es sogar 91%. Den höchsten Anteil am Fahrzeugbestand im Kanton haben schwere Allradler in Tessin, Zug und Schwyz, den tiefsten in Freiburg, Neuenburg und Jura. In wohlhabenden Flachland-Gemeinden wie Wollerau (SZ), Collina d’Oro (TI) oder Cologny (GE) sind über 10% aller Autos schwere Offroader – in vielen Berggemeinden wie Fieschertal (VS), Hinterrhein (GR) oder Sonogno (TI) gibt es praktisch keine solchen Fahrzeuge.
Das Gewicht ist bei Fahrzeugen der wichtigste Faktor für den CO2-Ausstoss: 100 Kilogramm zusätzlich erhöhen den Benzinverbrauch um einen halben Liter pro 100 km, so die Faustregel. Entsprechend höher ist auch der CO2-Ausstoss. Dabei wachsen die CO2-Emissionen des Verkehrs in der Schweiz seit Jahren kontinuierlich, obwohl sie drastisch sinken müssten. Effiziente Fahrzeuge sind der wichtigste Schritt dazu, und erst noch ein lohnenswerter: Laut einer Studie von McKinsey lässt sich mit keiner anderen Klimaschutz-Massnahme so viel Geld sparen wie mit effizienteren Fahrzeugen.
Heute bieten praktisch alle Hersteller eine grosse Auswahl solcher Autos an. Die meisten Importeure werden darum 2015 das Emissionsziel von durchschnittlich 130 g CO2/km problemlos erreichen können. Voraussichtlich morgen Abend entscheidet der Nationalrat über die neuen Grenzwerte.
Kontakt:
Ulrike Saul, Klimaexpertin, WWF Schweiz, 078 745 23 41