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Luchs
Luchs-Mutter mit Jungem
Aktuell: Revision der Jagdverordnung
Am 15. Juli lief die Anhörung zur Revision der Jagdverordnung aus. Künftig sollen Raubtiere wie zum Beispiel der Luchs geschossen werden können, wenn sie zu viel Wild reissen.

Für den WWF ist dies ein Paradigmenwechsel im Naturverständnis. Der WWF setzt sich dafür ein, dass dieser Paradigmenwechsel verhindert werden kann. Gleichzeitig sitzt der WWF mit Pro Natura, dem Schweizerischen Schafzüchterverband und Jagd Schweiz an einem runden Tisch, moderiert vom Bundesamt für Umwelt. Dort werden Lösungen für eine gemeinsame Haltung und ein langfristiges Management von Grossraubtieren gesucht.

Luchs mit Jungem
Der Luchs, ein bedrängter Jäger
Im 18. und 19. Jahrhundert hat man den Luchs in ganz Mitteleuropa ausgerottet: mit Flinte, Gift und Teller-Eisen. Zwischen 1971 und 1975 wurden in der Schweiz offiziell zehn Luchse angesiedelt. Zu diesem Zweck wurden seinerzeit Wildfänge aus der Slowakei im Jura und in den Alpen ausgesetzt. Daneben kam es aber auch zu illegalen Aussetzungen. Unser heutiger Luchsbestand geht auf ein paar wenige Gründertiere aus jener Zeit zurück. Die Schweiz bietet genügend Lebensraum für den Luchs. Der heutige Luchsbestand in den Alpen ist aber noch nicht gesichert. Der Bestand ist klein. Flüsse, hohe Berge, Autobahnen und von Menschen dicht besiedelte Gebiete hindern die Luchse, in neue Lebensräume vorzustossen. Jungluchse bilden ihre Reviere meist angrenzend an die Reviere anderer Luchse. Da diese oft von begrenzter Qualität sind, gehen manche Luchse buchstäblich leer aus. In der Besiedlung von ganz neuen Gebieten tut sich der Luchs eher schwer, auch wenn diese als Reviere geeignet wären. Der WWF Schweiz setzt sich dafür ein, dass sich Luchse im Alpenraum wieder frei bewegen können.

Da die natürliche Ausbreitung des Luchses durch zahlreiche Barrieren beschränkt wird, wurde mit dem Luchsumsiedlungsprojekt Nordostschweiz (LUNO) ein wichtiger Schritt gemacht, um ein Vorkommen des Luchses in der gesamten Schweiz zu ermöglichen. Zwischen 2001 und 2008 wurden Luchspaare aus der Westschweiz in die Ostschweiz (Toggenburg und Tössstock) umgesiedelt.
Luchs (Eurasischer Luchs) , Bayerischer Wald National Park. Luchs (Eurasischer Luchs) Jungtier in Gefangenschaft, Nationalpark Bayerischer Wald, Deutschland.
Eines ist sicher: der Luchs wird in Mitteleuropa langfristig nur überleben können, wenn es gelingt, die vereinzelten Vorkommen zu einer zusammenhängenden Population zu verknüpfen.

Ein Luchs reisst hauptsächlich Rehe und Gämsen. Die Zahl der durch den Luchs gerissenene Haustiere lag Ende der 1990er Jahre bei weit über 100 jährlich. Diese Zahl konnte durch Präventionsmassnahmen, die auch vom WWF unterstützt wurden, wie die Errichtung von Elektrozäunen und der Einsatz von Herdenschutzhunden  bedeutend verringert werden. In den letzten Jahren wurden jährlich weniger als 50 Haustiere nachweislich vom Luchs gerissen. Eine unbedeutende Zahl, wenn man bedenkt, dass in der Schweiz 450'000 Schafe leben. Zudem wurden alle Luchsrisse von Bund und Kantonen finanziell abgegolten.

Obwohl der Luchs geschützt ist, wird er immer wieder illegal bejagt. Nachweislich wurden in den vergangenen Jahren in der Schweiz Luchse erschossen, ertränkt, vergiftet und erschlagen. Meist ist es unmöglich, die Täterschaft zu überführen.

Dass Luchse Rehe und Gämsen jagen, ist unbestritten. Doch Futterneid von Jägern ist fehl am Platz. Die hohen Schalenwildbestände bieten Beute für Tier und Jäger. Der Luchs gehört zur einheimischen Artenvielfalt und hat seine Existenzberechtigung.

Mit mehr Toleranz von Seiten der Jägerschaft und der Schafzüchter ist das Zusammenleben möglich. Ein zeitgemässes Naturverständnis ist die Voraussetzung, damit der Luchs eine Zukunft hat. Wichtig ist aber auch, dass die Bevölkerungsmehrheit, die den Luchs befürwortet, die Ängste von Nutztierhaltern und Jägern ernst nimmt. Mit seinen Lösungsansätzen versucht der WWF, sowohl die Ängste der Gegner abzubauen als auch das Verständnis der Befürworter für Landwirtschaft und eine nachhaltige Jagd zu fördern.
 
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