Aktuell: Revision der Jagdverordnung
Am 15. Juli lief die Anhörung zur Revision der Jagdverordnung aus. Künftig sollen Raubtiere wie zum Beispiel der Luchs geschossen werden können, wenn sie zu viel Wild reissen.
Für den WWF ist dies ein Paradigmenwechsel im Naturverständnis. Der WWF setzt sich dafür ein, dass dieser Paradigmenwechsel verhindert werden kann. Gleichzeitig sitzt der WWF mit Pro Natura, dem Schweizerischen Schafzüchterverband und Jagd Schweiz an einem runden Tisch, moderiert vom Bundesamt für Umwelt. Dort werden Lösungen für eine gemeinsame Haltung und ein langfristiges Management von Grossraubtieren gesucht.
Eines ist sicher: der Luchs wird in Mitteleuropa langfristig nur überleben können, wenn es gelingt, die vereinzelten Vorkommen zu einer zusammenhängenden Population zu verknüpfen.
Ein Luchs reisst hauptsächlich Rehe und Gämsen. Die Zahl der durch den Luchs gerissenene Haustiere lag Ende der 1990er Jahre bei weit über 100 jährlich. Diese Zahl konnte durch Präventionsmassnahmen, die auch vom WWF unterstützt wurden, wie die Errichtung von Elektrozäunen und der Einsatz von Herdenschutzhunden bedeutend verringert werden. In den letzten Jahren wurden jährlich weniger als 50 Haustiere nachweislich vom Luchs gerissen. Eine unbedeutende Zahl, wenn man bedenkt, dass in der Schweiz 450'000 Schafe leben. Zudem wurden alle Luchsrisse von Bund und Kantonen finanziell abgegolten.
Obwohl der Luchs geschützt ist, wird er immer wieder illegal bejagt. Nachweislich wurden in den vergangenen Jahren in der Schweiz Luchse erschossen, ertränkt, vergiftet und erschlagen. Meist ist es unmöglich, die Täterschaft zu überführen.
Dass Luchse Rehe und Gämsen jagen, ist unbestritten. Doch Futterneid von Jägern ist fehl am Platz. Die hohen Schalenwildbestände bieten Beute für Tier und Jäger. Der Luchs gehört zur einheimischen Artenvielfalt und hat seine Existenzberechtigung.
Mit mehr Toleranz von Seiten der Jägerschaft und der Schafzüchter ist das Zusammenleben möglich. Ein zeitgemässes Naturverständnis ist die Voraussetzung, damit der Luchs eine Zukunft hat. Wichtig ist aber auch, dass die Bevölkerungsmehrheit, die den Luchs befürwortet, die Ängste von Nutztierhaltern und Jägern ernst nimmt. Mit seinen Lösungsansätzen versucht der WWF, sowohl die Ängste der Gegner abzubauen als auch das Verständnis der Befürworter für Landwirtschaft und eine nachhaltige Jagd zu fördern.
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