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Biber
Biber: der grosse Landschaftsgestalter
Biber
Wissenschaftlicher Name: Castor fiber (Eurasischer Biber)

Lebensraum:
Grosse, vegetationsreiche Flussauen und Altarme, umgeben von natürlichem Auwald, sowie auch kleinere, natürliche Fliessgewässer, Seen, Teiche und Gräben in 25 Ländern in Europa und Asien. In der Schweiz lebt der Biber vor allem entlang der Flüsse Aare, Rhein, Thur, Rhone und Broye.

Bestandsgrösse:
Europa und Asien: mindestens 639000 Individuen (2006)
Schweiz: ungefähr 1600 Individuen (2010)
Trend: steigend

Gefährdungsstatus:
IUCN (2008): nicht gefährdet
CITES: nicht gelistet 
Berner Konvention: Anhang III
Biber
Biber: der grosse Landschaftsgestalter
Zu den auffälligsten Merkmalen des Bibers zählen die grossen, nachwachsenden Schneidezähne, der flache, beschuppte Schwanz sowie die grossen, entenartigen Hinterpfoten mit Schwimmhäuten. Biber sind ausgezeichnete Schwimmer.

Biberpaare bleiben ihr ganzes Leben lang zusammen und bilden damit eine Ausnahme unter den Säugetieren. Eine Biberfamilie besteht in der Regel aus den Elterntieren und zwei Generationen von Jungtieren.

Biber benötigen einen Lebensraum mit genügend Weichhölzern als Winternahrung, genügender Wassertiefe und grabbaren Ufern. Als reine Vegetarier ernähren sich die Biber von Kräutern, Gräsern, Trieben und Wasserpflanzen - im Winter zusätzlich von Weichholzrinden und Wurzeln von Wasserpflanzen. Im Herbst legen die Biber Futtervorräte auf dem Gewässergrund an. Ihre Bauten haben unterschiedliche Formen. Die Eingänge liegen jedoch immer unter Wasser. Biber gestalten und verändern ihren Lebensraum oft beträchtlich. Zum Beispiel fällen sie Bäume oder bauen Dämme und stauen damit Wasser. Durch das Stauen von Gewässern wird der Gewässerraum enorm verändert.
Wiederansiedlung des Bibers
Nachdem der Biber einst in der ganzen Schweiz weit verbreitet war, wurde er im 19. Jahrhundert fast vollständig ausgerottet.

Deshalb haben Naturfreunde zwischen 1958 und 1977 an verschiedenen Orten in der Schweiz rund 140 Biber wieder angesiedelt. Der WWF Thurgau siedelte zum Beispiel 1968 und 1969 insgesamt 9 Biber aus Norwegen im Nussbaumer- und Hüttwilersee an. Von dort eroberten sie das Thurtal und kommen heute bis zur Thurmündung sowie in anderen Gewässern des Kantons vor - auch am Untersee und am Rhein. Inzwischen leben im Kanton Thurgau wieder mindestens 300 Biber.

Bei der Wiederansiedlung der Biber fehlte aber ein gesamtschweizerischer Plan. Das hatte zur Folge, dass die Biber heute in kleinen, voneinander isolierten Gruppen leben. Ihr längerfristiges Überleben in der Schweiz erfordert aber einen zusammenhängenden Bestand. Um Wissen zu sammeln und Schutz- und Fördermassnahmen zu koordinieren, wurde 1996 die Biberschutzstelle Schweiz ins Leben gerufen. Das Hauptziel des Schweizer Biberschutzes ist die Vernetzung der Biberpopulationen untereinander.
Von Bibern angenagter Baum.
Bedrohung des Bibers
Der wertvolle Pelz war der Hauptgrund für die Jagd auf den Biber im 19. Jahrhundert. Nicht weniger gefragt war das so genannte Bibergeil: das Sekret, mit dem Biber ihr Revier markieren. Es galt als Wundermittel gegen ziemlich alle Krankheiten. Beliebt war auch das schmackhafte Fleisch des Bibers. Ausserdem wurde er als „Schädling“ gnadenlos verfolgt, da seine Dammbautätigkeiten teilweise zur Überflutung landwirtschaftlich genutzter Wiesen und Äcker führten.

Der Biber ist in der Schweiz auf dem Vormarsch, da sich seine Lebensräume in den letzten Jahrzehnten durch Renaturierungen deutlich verbessert haben. Natürliche Feinde hat er in der Schweiz sozusagen keine. Dennoch steigen mit den heute rund 1600 Bibern in der Schweiz auch die Schäden wieder. Zum Beispiel sind durch Biberdämme gestaute Drainagen von landwirtschaftlich genutztem Land im Kanton Thurgau die häufigste Ursache für Schadenersatzforderungen. Der Grund dafür ist, dass das Begradigen von Flüssen und das Entwässern von Landwirtschaftsflächen den Flussauen viel Boden abrang - und der Biber damit sein Lebensraum verlor. Der Biber kommt deshalb heute schnell in Konflikt mit der Landwirtschaft, die bis nahe an die Gewässer vorstösst.

In anderen Ländern bedrohen den Biber ausserdem Gewässerverschmutzung oder streunende Hunde.
WWF-Engagement für den Biber
Seit Jahrzehnten engagiert sich der WWF mit der Förderung von Naturschutz-Grossprojekten für den Biber. Solche Grossprojekte haben den Schutz und die Entwicklung grossflächiger Feuchtgebietslebensräume zum Ziel – also den Lebensraum des Bibers. Der WWF will einen robusten Biberbestand innerhalb des ursprünglichen Verbreitungsgebietes schaffen, so dass der Biber langfristig in unserer Kulturlandschaft überleben kann.

Deshalb unterstützt der WWF die Unterschutzstellung von natürlichen Seen, Fliessgewässern und Auwäldern, die sanfte Nutzung von Gewässern und deren Ufer, die Extensivierung der Fischerei, die Information naturinteressierter Besucher und das Management von Konflikten. Konfliktmanagement ist wichtig, wenn zum Beispiel Biber durch Dammbauten land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen verändern.

Verschiedene regionale Sektionen des WWF Schweiz engagieren sich stark für den Biber. Einige von ihnen haben sogar einen Biberlehrpfad eingerichtet:

Sektion Thurgau mit Biberlehrpfad an der Thur 

Sektion Zürich mit Biberlehrpfad am Rhein
 
Sektion St. Gallen mit Biberlehrpfad an der Thur

Sektion Solothurn

 
Biberschutzstelle Schweiz
Seit 1996 informiert und koordiniert die Biberschutzstelle Schweiz im Auftrag des Bundes in Biberschutzfragen (Biberschutzstelle Schweiz, c/o WildARK, Tillierstrasse 6A, 3005 Bern)